Woche ohne Mobbing am Arbeitsplatz

Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters sollte eine „Woche ohne Mobbing am Arbeitsplatz“ nach US-amerikanischem Vorbild (Freedom from Workplace Bullies) ausgerufen werden. Diese Woche sollte dazu dienen, Präventionsarbeit gegen das Mobbing am Arbeitsplatz zu leisten. Unter Beteiligung aller relevanten Akteure für den Bereich Arbeit könnte unter Federführung des Gesundheitsamtes Münster eine Woche der Aufklärung und Prävention initiiert und vorbereitet werden. Ziel dieser jedes Jahr zu wiederholenden Woche soll es sein, das Mobbing am Arbeitsplatz in Münster abzubauen und die potentiellen Opfer von Mobbinghandlungen und alle anderen Betroffenen vor den Auswirkungen dieser Handlungen zu schützen.

Relevanz der Idee:
Laut Berechnungen des Bundesamtes für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin werden im Laufe ihres Erwerbslebens 5,5 % der Erwerbspersonen das Opfer von Mobbinghandlungen. (vgl. Meschkutat, B.; Stackelbeck, M.; Langenhoff, G.: Der Mobbing-Report – Eine Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland. 1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2002. (Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 951, S. ) Das würde für die aktuelle Erwerbssituation der Bundesrepublik (43,2 Mio. Erwerbstätige) bedeuten, dass rund 2,4 Mio. Erwerbstätige das Opfer von Mobbinghandlungen geworden sind. Bei 208.700 Erwerbstätigen in Münster (Stand: 2012, vgl. https://www.muenster.de/stadt/stadtplanung/pdf/Jahres-Statistik_2014_Erwerbstaetigkeit.pdf, S. 14) wären dies 11478 Personen, die Schikanen am Arbeitsplatz zu ertragen haben.
Zu den Auswirkungen von Mobbing in individueller Hinsicht, für die Arbeitsgruppe, für das Unternehmen und die Volkswirtschaft werden in der angehängten Datei „Mobbing am Arbeitsplatz“ ab Seite 2 folgende Informationen aufgeführt: „Auf Seiten der Mobbing-Opfer zeigen sich vielfältige negative Auswirkungen auf Wohlbefinden und Leistung, die sich um so ausgeprägter entwickeln, je länger der Mobbingprozess andauert (Lindemeier, 1996). Dazu zählen Konzentrationsmängel, Leistungs-/Denkblockaden, Selbstzweifel, Versagens- und Schuldgefühle, Angstzustände, Gereiztheit, geringes Selbstwertgefühl, Depressivität, körperliche 3 Beschwerden wie Schlafstörungen und Magen- und Darmerkrankungen etc. (Holzbecher & Meschkutat, 1998). Nach Mikkelsen und Einarsen (2002) weisen bis zu 75% aller Mobbingopfer eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD, posttraumatic stress disorder) auf. Ein solches psychisches Trauma entsteht, wenn das Erlebnis nicht mehr durch die alltäglichen psychischen Kräfte gemeistert werden kann. Menschen, die lebens- und existenzbedrohenden Erlebnissen ausgesetzt sind, wie es in Kriegen oder bei Katastrophen der Fall ist, zeigen gleichartige psychische und somatische Symptombilder. Demnach nimmt das erlebte psychische Trauma die mentalen Kräfte immer wieder in Anspruch, es kommt zum zwanghaften stetigen Durchspielen des Erlebnisses (Gedankenterror), die Versuche, davon loszukommen, sind vergeblich. All dies wird begleitet von psychosomatischen Stresssymptomen und besteht mindestens einen Monat lang. Leymann (1995) schildert den Krankheitsverlauf der Mobbingopfer so: Schon zu Beginn des Mobbingprozesses treten Stresssymptome auf wie Schlafstörungen, Depressionen, Magen/Darmprobleme. Spätestens nach ca. einem halben Jahr Mobbing wird von einer behandlungsbedürftigen posttraumatischen Belastungsstörung gesprochen. Nach ein bis zwei Jahren fortgesetzten psychosozialen Drucks kommt es zur Vertiefung der Symptome, nach zwei bis vier Jahren zu chronischen Verläufen. Negative Auswirkungen für die Arbeitsgruppe, in der der Mobbing-Prozess stattfindet, sind Misstrauen, Angst und durch erhöhte Fehlzeiten eine Mehrbelastung der Gruppen-Mitglieder. Einer Studie des Technischen Überwachungsvereins Rheinland zufolge verursacht Mobbing in Deutschland jährlich geschätzte Kosten in Höhe von 15 Mrd. €, wobei es allerdings sehr schwierig ist, konkrete Berechnungen anzustellen (Kollmer, 2000). Für den Betrieb ergeben sich Kosten infolge erhöhter Fehlzeiten, erhöhter Fluktuationsraten und verminderter Produktivität, Qualitätseinbußen, Kosten für Ersatzkräfte. Allein im Jahr 2000, so eine Berechnung des Mobbing-Reports, waren, 3,1% des Arbeitszeitvolumens aller Erwerbstätigen durch Mobbing beeinträchtigt (Meschkutat, Stackelbeck & Langenhoff, 2002). Nach Gunkel (2002) kostet jeder Mobbing-Fall – vorsichtig geschätzt – das Unternehmen durchschnittlich 25.000 bis 30.000 €, mit teilweise deutlicher Tendenz nach oben. Als volkswirtschaftliche Kosten schlagen zu Buche: Krankschreibungen, Arztbesuche, Psychotherapie, Klinikaufenthalte, Kuren, vorzeitige Arbeitsunfähigkeitsrenten etc.“ (Stadler, Peter (2006): Mobbing am Arbeitsplatz – Ursachen, Folgen sowie Interventions- und Präventionsstrategien, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, S. 2 f.)

Status:

in Bearbeitung

Anmerkung:

Die Stadt Münster hält eine solche Aktion für geeigneter, landesweit angesetzt zu werden. Die Stadt hat sich dazu an das Land gewandt. Sollte dies eingeführt werden, wird die Stadt Münster sich daran beteiligen.

Verlauf:

  • 09.12.2015 – In Form einer Anregung nach §24 GO beim Rat der Stadt Münster eingereicht.
  • 16.12.2015 – Einbringung in den Rat.